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Sven Braun (rechts), der von Fabian Hochstuhl geherzt wird, war mit seinen zehn Toren im entscheidenden Spiel in Sinzheim maßgeblich am 30:29-Sieg und damit am Titelgewinn in der Südbadenliga-Saison 2010/11 beteiligt.

Die Sensation - Teil 1

Vor zehn Jahren sicherte sich unser TV Sandweier die Meisterschaft in der Handball-Südbadenliga. Exakt am 7. Mai 2011 wurde mit dem Sieg in Sinzheim der Durchmarsch von der Landesliga in die Baden-Württemberg-Oberliga perfekt gemacht. Ein Meilenstein in der TVS-Geschichte: Unsere erste Mannschaft durfte damit seit der Saison 2011/12 immer mindestens auf viertklassiger Ebene um Punkte kämpfen und ist seither das sportliche Aushängeschild im Handball-Bezirk Rastatt.

Die „Helden“ von damals sind zum Teil immer noch aktiv am Ball. Einige haben die Handball-Schuhe bereits an den Nagel gehängt und befinden sich im wohlverdienten Handball-Ruhestand. Alle vereint, dass sie Teil einer bemerkenswerten Saison sind und viele Erinnerungen an eine geile Handball-Zeit mit uns teilen können.

Zu Beginn unserer Rückblick-Serie haben wir mit Sven „Champ“ Braun gesprochen. Der 34-jährige Linkshänder, mittlerweile zweifacher Vater, musste seine aktive Zeit (verletzungsbedingt) leider viel zu früh beenden. Gemeinsam mit  Aufstiegs-Torwart Sven Beck bildet er unser Schiedsrichter-Gespann in der 3. Bundesliga (Sven Beck befindet sich aktuell, gemeinsam mit der Familie, im Rahmen einer geplanten Weltreise auf der Insel Zypern).

Wir haben mit unserem „Champ“ über das legendäre Spiel in der Sinzheimer Fremersberghalle, in dem die Meisterschaft und der Aufstieg in die Oberliga perfekt gemacht wurden, gesprochen.

Frage: Champ, der Aufstieg ist jetzt zehn Jahre her. Logisch, dass man bei einem Rückblick mit dem zehnfachen Torschützen im entscheidenden Spiel sprechen muss.

Sven: Das war der Wahnsinn, das weiß ich noch. So arg viele konkrete Erinnerungen an das Spiel selber habe ich gar nicht mehr (Anm.: dafür umso mehr von der anschließenden Feierei), aber das war schon absolut geil damals in Sinzheim.

Frage: Viel ist nicht mehr da, sagst du - aber kannst du die paar wenigen Situationen, an die du dich noch erinnern kannst, beschreiben?

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Sven: Es gibt doch das eine Bild, auf dem sind glaube ich Mauz (Marius Merkel), Säule (Simon Bornhäußer), Stift (Simon Riedinger) und Heide (Franz Henke) drauf. Da sind alle am Zurücklaufen und drehen sich um. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in der Szene gerade ein Tor gemacht habe. Ich kann dir nicht mehr genau sagen, was für ein Tor das war, aber ich weiß noch genau, dass ich mich umgedreht habe und gesehen habe, dass alle am Durchdrehen waren.

Frage: Am Ende war das Ergebnis mit 30:29 denkbar knapp…

Sven: Ja, aber so knapp war es, glaube ich, gar nicht. Also ich meine mich erinnern zu können, dass wir das gesamte Spiel relativ gut drin waren und auch immer ein paar Tore vorne waren. Es war am Ende zwar nur ein Tor, aber ich habe das bei mir irgendwie so abgespeichert, als ob es kein Herzschlag-Finale war.

Frage: In der Schlussphase stand es 30:27 für uns. Sinzheim konnte noch einmal zwei Tore erzielen, am Ende stand ein 29:30 auf der Anzeigetafel und wir waren aufgestiegen.

Sven: Der Wahnsinn!

Frage: Du hast gesagt, du konntest die Zuschauer in den Spielen immer recht gut ausblenden. Ist dir das in diesem Spiel auch gelungen?

Sven: Puh, also da war schon die Hölle los. Ich weiß noch, dass schon vor dem Warmlaufen die Halle bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt war. Es gibt eine Situation, dieselbe, die ich oben beschrieben habe nach meinem Tor, als ich nach hinten geschaut habe und alle durchgedreht sind. Da hab‘ ich beim Zurücklaufen kurz in die Zuschauerreihen geschaut und hab‘ Fabse (Fabian Hochstuhl) gesehen. Fabian war zu dem Zeitpunkt leider verletzt und konnte nicht spielen. Der ist fast von der Tribüne gefallen, so hat er mitgelebt. Da hab‘ ich dann schon kurz mitbekommen, dass da einiges abging auf den Rängen. Ich kann dir nicht mal mehr sagen, ob das ein entscheidendes Tor, oder besonders „geiles“ Tor war - aber die Stimmung war brutal.

Frage: Klar, bei zehn Toren ist es verständlich, dass du dich nicht mehr an alle erinnern kannst…

Sven (lacht): Das weiß ich auch nur, weil der Daniel Merkel (Hallensprecher und leidenschaftlicher Pressewart) mir das in den kommenden Jahren danach bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesagt hat. Ne, im Ernst, ich weiß noch, dass es mir da ganz gut reinlief, aber dass es jetzt tatsächlich zehn Tore waren, das wusste ich nicht. Ich kann mich an die Tore auch nicht mehr erinnern. Viel mehr kann ich mich aber an die anschließende Feierei erinnern.

Frage: Gutes Stichwort.

Sven: Das Spiel wird ja so gegen 21:30 Uhr fertig gewesen sein. Ich weiß noch, dass wir irgendwann alle halbnackt in einer Reihe durch die Sinzheimer Halle „getanzt“ sind, der Böhmische Traum ist aus der Musikbox geschallt und Gerold (Mitzel, Co-Trainer) hat uns allesamt bestimmt fünfmal „seinen“ Marsch geblasen (Anm.: Gerold hat dirigiert, seine „Buben“ haben Rhythmusgefühl gezeigt). Da hab‘ ich auf die Uhr geschaut und es war so ca. 01:00 Uhr nachts. Da waren wir immer noch in Sinzheim - zumindest habe ich das so in Erinnerung (lacht). Danach ging es dann noch ins Clubhaus nach Sandweier - da setzen die Erinnerungen aber langsam aus.

Meisterclubhaus2

Frage: Wir waren ja als Aufsteiger aus der Landesliga eigentlich der „Neuling“ in der Südbadenliga, auch wenn wir nur ein Jahr weg waren. War der direkte Durchmarsch in die Oberliga im Vorfeld der Saison geplant gewesen?

Sven: Ganz und gar nicht. Ich glaube, wir haben sogar einen ziemlich schlechten Saisonstart hingelegt und sind mit 2:4 Punkten gestartet oder so. Da kamen dann auch schon die ersten Stimmen, die meinten, „die steigen direkt wieder ab“. Dann haben wir aber zum Glück die Kurve bekommen und eine ziemlich gute Hinrunde gespielt und haben auch nicht mehr allzu viele Spiele verloren. Am letzten Spieltag der Hinrunde, das muss kurz vor Weihnachten gewesen sein, gab es noch ein richtiges Brett in Schutterwald, das weiß ich auch noch ganz genau. Da haben wir gar kein Land gesehen. Die Rückrunde lief dann aber auch wieder ziemlich gut und wir standen Spieltag für Spieltag immer ganz oben. Da schaust du nach jedem Spieltag auf die Tabelle und denkst dir: „Geil, schon wieder gewonnen, wir stehen immer noch ganz oben.“ Und irgendwann wird’s dann halt ernst. Aber das hat sich dann mehr aus der Situation heraus ergeben, geplant war das im Vorfeld in keinem Fall.

Frage: Die Mannschaft bestand zum Großteil aus „echten“ Sandweierern. War das deiner Meinung nach auch ausschlaggebend für den Titel?

Sven: Wir waren gefühlt jedes Wochenende zusammen unterwegs (lacht). Das war schon außergewöhnlich, nach fast jedem Spiel sind wir geschlossen noch feiern gegangen oder sind zusammen noch essen gewesen. Die Stimmung und der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war schon geil, das war eine überragende Zeit.

Frage: Welche Rolle hat Coach Ralf Abele gespielt?

Sven: Neben Ralfs großem Erfahrungsschatz als Spieler auf hohem Niveau hat er verstanden, wie er mit uns als Mannschaft umzugehen hat. Mit seiner Art, die Trainingseinheiten zu gestalten, hat er es geschafft, uns alle immer bei Laune zu halten (vor allem die häufigen Fußball-Trainingseinheiten haben uns in einer weiteren Mannschaftssportart weitergebracht). Der Spaß kam nie zu kurz und er wusste gleichzeitig, wann es wieder ernst werden musste. Neben dem Formen und Fördern der mannschaftlichen Geschlossenheit hat er es geschafft, die Stärken jedes Einzelnen zu entwickeln und diese im Mannschaftsgefüge einzusetzen.

Man darf auch nicht vergessen, dass Ralf sich auch neben dem Platz bestens in die mannschaftlichen Aktivitäten eingebracht hat. Für mich persönlich hat dies zu zahlreichen lustigen Taxifahrten mit „Big“ Richtung Gaggenau geführt (Anm.: „Big“ ist Ex-TVS-Spieler Alexander Wiener, der zur damaligen Zeit als Taxi-Fahrer unseres Vertrauens arbeitete). Zudem konnte er seinen großen Erfahrungsschatz in Deutschlands 17. Bundesland an die Mannschaft weitergeben (lacht).

Er war immer Teil der Mannschaft und zum richtigen Zeitpunkt der Trainer und Motivator, den die damals doch junge Mannschaft gebraucht hat.

Nicht zu vergessen: Ralfs „rechte Hand“, Gerold (Anm.: Mitzel), der ihm als Co-Trainer immer den Rücken freigehalten und ebenfalls zu bester Stimmung in der Mannschaft beigetragen hat.

Vielen Dank Sven!